Hast du deine Beistriche im Griff oder schreibst du ohne Punkt und Komma einfach drauflos? 

Ich hatte mal einen Autorenkollegen, der schrieb alle seine Texte ohne Beistriche. Ganz konsequent. Und ganz bewusst. Oft habe ich mich über ihn geärgert, denn selbst an den einfachsten Stellen fehlte das Komma. Nicht nur einmal musste ich einen Satz mehrmals lesen, um zu verstehen, was er denn sagen will.

Viele glauben, Satzzeichen sind nicht wichtig. Dem muss ich widersprechen. Satzzeichen sind nämlich dazu da, einen Satz so zu strukturieren, dass er gut lesbar, schnell erfassbar und verständlich – eben unmissverständlich – ist. Ein Text „ohne Punkt und Komma“ macht dem Leser/der Leserin doppelte Mühe und falsch gesetzte Zeichen führen zu Missverständnissen.

Welche Satzzeichen gibt es überhaupt?

Im Handbuch von DUDEN „Komma, Punkt und alle anderen Satzzeichen – Das Handbuch zur Zeichensetzung“ finden wir Punkt, Komma, Semikolon, Doppelpunkt, Fragezeichen, Ausrufezeichen, Gedankenstrich, Anführungszeichen, Klammern, Schrägstrich.

Konrad Duden hat die Satzzeichen zuerst in seiner „Rechtschreibung der Buchdruckereien deutscher Sprache“, dem sogenannten Buchdruckerduden (1903, 2. Auflage 1907) behandelt. Die dort gegebenen Richtlinien sind dann in die 9. Auflage der allgemeinen „Rechtschreibung“ (1915) übernommen worden. Seit dieser Zeit enthält der Rechtschreibduden auch die Regeln zur deutschen Zeichensetzung.

So sollte der heutige Tag dazu genutzt werden, die eigenen Texte (besonders) auf Zeichenfehler zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren.

Ein kleines Quiz:

Frage 1: Emojis
Antwort 1: Heute ist der „Tag der Satzzeichen“ 😊
Antwort 2: Heute ist der „Tag der Satzzeichen“. 😊

Richtig ist Antwort 2, da das 😊 nicht den Satzschlusspunkt ersetzt. Das 😊 gehört immer nach dem Punkt gesetzt.

Frage 2: Grußformeln
Antwort 1: Liebe Grüße Renate Rosner
Antwort 2: Liebe Grüße, Renate Rosner

Richtig ist Antwort 1, da in Briefen und E-Mails nach dem Gruß kein Satzzeichen steht. Als Eselsbrücke kann man denken: Liebe Grüße (sendet Dir) Renate Rosner

Frage 3: direkte Rede
Antwort 1: „Ich muss immer denken“, seufzt er, „wo das Komma hingehört.“
Antwort 2: „Ich muss immer denken,“ seufzt er, „wo das Komma hingehört.“

Richtig ist Antwort 1, da der eingeschobene Begleitsatz außerhalb der An- und Abführungszeichen in Kommas eingeschlossen wird.

Frage 4: Abkürzung
Antwort 1: aufs, fürs, ins – diese Wörter schreibt man ohne Apostroph.
Antwort 2: auf’s, für’s, in’s – diese Wörter schreibt man mit Apostroph.

Richtig ist Antwort 1, da man Verschmelzungen aus Präposition + Artikel ohne Apostroph schreibt: auf + das = aufs, für + das = fürs, in + das = ins

Frage 5: Text nach einem Doppelpunkt
Antwort 1: Regel: nach einem Doppelpunkt wird großgeschrieben, wenn ein selbstständiger Satz folgt.
Antwort 2: Regel: Nach einem Doppelpunkt wird großgeschrieben, wenn ein selbstständiger Satz folgt.

Richtig ist Antwort 2.

Frage 6: Ansprache
Antwort 1: Hallo Renate, wie wär’s mit einem Kaffee?
Antwort 2: Hallo, Renate, wie wär’s mit einem Kaffee?

Richtig ist beides, da bei modernen Anreden – wie Hallo … – auf das Komma verzichtet werden kann.

Die Rechtschreibprüfung in den verschiedensten Ausführungen kann das geschulte Auge einer professionellen Korrektur in keinem Fall ersetzen. (Ich habe das zur Probe ausprobiert und mir wurden die unterschiedlichsten Schreibweisen alle als richtig angezeigt – Bravo, kein Fehler! ☹)

Tag des Satzzeichens am 24. September.

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