Ein Bandwurmsatz oder kurz und knackig? – 25. Februar: Tag der Schachtelsätze

Der Schachtelsatz, auch Bandwurmsatz oder Hypotaxe genannt, ist ein grammatikalisch legitimes, aber schwer verdauliches und berühmt-berüchtigtes Satzgefüge aus aneinandergeknüpften Haupt- und Nebensätzen, das, je länger der Satz schlussendlich ist, immer unverständlicher wird, Verwirrung stiftet oder nur durch mehrmaliges Lesen eventuell sowie nur mit klarem Geist verstanden werden kann. Und jetzt tief durchatmen.

Besonders Autoren der Weltliteratur wie Thomas Mann und Heinrich von Kleist verwendeten diese Form des Schreibens. Bist du ein Literat, dann ist diese Art des Schreibens also voll in Ordnung und die Leser werden deine Texte höchstwahrscheinlich lieben.

Willst du verkaufen, notwendige Information (Mails, Präsentationen, Blogartikel) kurz und knackig rüberbringen, dann vergiss die Würmer!

Es gibt hierzu eine einleuchtende Faustregel: Unser Kurzzeitgedächtnis arbeitet in Drei-Sekunden-Intervallen. Alles, was wir innerhalb von diesen drei Sekunden erfassen können, nehmen wir als eine Einheit wahr. In dieser Zeit können die meisten Menschen etwa zwölf Silben lesen. Ist der Satz nun wesentlich länger, brauchen wir mehr Zeit, um ihn zu lesen und haben am Ende daher meist schon wieder vergessen, was am Anfang stand. Also müssen wir den Satz noch einmal lesen. Das kostet Zeit und Nerven.

Sind deine Texte auch Bandwürmer und sogar manchmal ohne Punkt und Beistrich? Ist es deinen potenziellen Kunden zu mühsam, sich durch deine Informationen zu kämpfen. Wie einfach ist es doch, eine professionelle Korrektur deines Textes machen zu lassen! Und dein potenzieller Kunde wird dein tatsächlicher Kunde!

Beispiele aus der Literatur

Heinrich von Kleist: Michael Kohlhaas
Er besaß in einem Dorfe, das noch von ihm den Namen führt, einen Meierhof, auf welchem er sich durch sein Gewerbe ruhig ernährte; die Kinder, die ihm sein Weib schenkte, erzog er, in der Furcht Gottes, zur Arbeitsamkeit und Treue; nicht einer war unter seinen Nachbarn, der sich nicht seiner Wohltätigkeit, oder seiner Gerechtigkeit erfreut hätte; kurz, die Welt würde sein Andenken haben segnen müssen, wenn er in einer Tugend nicht ausgeschweift hätte.

Thomas Mann: Der Zauberberg
Wie lange Joachim eigentlich hier oben mit ihm gelebt, bis zu seiner wilden Abreise oder im ganzen genommen; wann, kalendermäßig, diese erste trotzige Abreise stattgefunden, wie lange er weggewesen, wann wieder eingetroffen und wie lange Hans Castorp selber schon hier gewesen, als er wieder eingetroffen und dann aus der Zeit gegangen war; wie lange, um Joachim beiseite zu lassen, Frau Chauchat ungegenwärtig gewesen, seit wann, etwa der Jahreszahl nach, sie wieder da war (denn sie war wieder da), und wie viel Erdenzeit Hans Castorp im ‚Berghof’ damals verbracht gehabt hatte, als sie zurückgekehrt war: bei all diesen Fragen, gesetzt, man hätte sie ihm vorgelegt, was aber niemand tat, auch er selber nicht, denn er scheute sich wohl, sie sich vorzulegen, hätte Hans Castorp mit den Fingerspitzen an seiner Stirn getrommelt und entschieden nicht recht Bescheid gewusst, – eine Erscheinung, nicht weniger beunruhigend als jene vorübergehende Unfähigkeit, die ihn am ersten Abend seines Hierseins befallen hatte, nämlich Herrn Settembrini sein eigenes Alter anzugeben, ja, eine Verschlimmerung dieses Unvermögens, denn er wusste nun allen Ernstes und dauernd nicht mehr, wie alt er sei!

Gerne helfe ich dir, deine Sätze zu entwirren, damit du dich auf neue Kunden konzentrieren kannst!

Liebe Grüße
Renate Rosner

https://www.rosnerbuero.at/lektorat-korrektorat/

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